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Von Hühnern und Cocktails

Am Fuße des Mount Rainier im US-Staat Washington, „direkt am Ausläufer“, sind Venise Cunninghams Hühner nicht nur Teil des Hofs – sie sind auch Teil der Bar.

Es begann mit „einem winzig kleinen Hühnerstall“ und fünf Rhodeländern in Venises erstem Haus am Fluss – und dem ersten Versuch ihrer Familie, Hühner zu halten. Zwölf Jahre später hat sich die Herde vergrößert. Vor kurzem beschloss ihr siebenjähriger Sohn, dass er Eier ausbrüten wolle. Sie liehen sich also einen Brutapparat aus, besorgten Bruteier von lokalen Bauern und versuchten ihr Glück. „Die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur machen es hier nicht einfach“, sagt sie. „Aber sieben sind geschlüpft!“

Heutzutage streifen die Hühner munter umher, und scharren und düngen dabei – und die Hennen legen Eier, die ihren Weg in den Cocktail-Shaker des Getränkeunternehmens „Simple Goodness Sisters“ finden.

Venise ist die Gärtnerin. Sie baut die Kräuter, essbaren Blüten und Früchte an, die den Geschmack von „Simple Goodness Sisters“ prägen, dem Unternehmen, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester Belinda führt. Belinda ist die Cocktail-Mixologin. Bevor sie ihr Geschäft mit dem Cocktailsirup gründeten, arbeiteten die Schwestern in den Städten Seattle und Bellevue für Technologieunternehmen und organisierten dort Großveranstaltungen. Dort sind sie auf die Marktlücke gestoßen.

„Das Thema ‚Vom Erzeuger direkt auf den Tisch‘ steht stark im Fokus“, sagt Venise, „aber dem Glas wird kaum Beachtung geschenkt.“ Also haben sie etwas aufgebaut, was sie als „vollwertige Cocktail-Farm“ bezeichnet.

Die Sirupe bildeten die Grundlage für die Getränke in ihrem Restaurant und bei Veranstaltungen in der gesamten Region – darunter das Northwest Flower & Garden Festival in Seattle (wo wir die Schwestern trafen, die dort ebenfalls einen Stand hatten). Hier mixten sie die Begrüßungscocktails für die Redner am Nachmittag.

Wenn Venise einen Heidelbeer-Lavendel-Sirup herstellt, verwendet sie 45 kg Heidelbeeren, die sie direkt von einem benachbarten Bauernhof bezieht. Die Beeren werden gepresst und der Saft abgefüllt. Und hier kommen die Hühner ins Spiel. Sie sind hier nichts Ungewöhnliches, sondern Teil des Betriebs. Denn nachdem der Saft aus den 45 kg Heidelbeeren gepresst wurde, bleiben Venise Schalen und Fruchtfleisch, die ebenfalls wertvoll sind.

„Der gesamte Saft wird aus den Heidelbeeren gewonnen und es bleiben Schalen und das Fruchtfleisch übrig“, sagt sie. „Ich erhalte somit also noch viele weitere wirklich gute Zutaten aus dem Sirupkessel.“

In ihrem Buch bezeichnen sie und Belinda diese Philosophie als „Whole Animal Bartending“ – das Cocktail-Äquivalent zum „Nose-to-Tail“-Prinzip beim Kochen. Alles verwerten. Nichts verschwenden. Manche Obstreste werden zu Shrubs verarbeitet. Andere werden getrocknet und für Zuckerränder gemahlen. Und wenn sie alles aus den Zutaten herausgeholt haben, was möglich ist, geht der Rest zurück auf den Hof.

„Die Reste kommen auf den Bauernhof und werden als Hühnerfutter verwendet … dann kommen sie in meinen Kompost zum Kompostieren, und dann verteile ich alles auf meinen Beeten – sie landen niemals im Müll.“

Dieses zirkuläre Denken geht über die Bar hinaus. Als sie beobachtete, wie gründlich die Hühner im Gras scharren, kam ihr eine weitere Idee: „Können sie für mich das Unkraut jäten?“ Venise baute eine provisorische Struktur über ihre Hochbeete, damit die Hühner vor der Pflanzsaison das Unkraut wegscharren konnten. „Innerhalb weniger Wochen sind alle meine Beete von Unkraut befreit“, sagt sie.

Und es geht nicht nur ums Unkrautjäten – „sie liefern auch die Dünger … das ist alles wirklich gut für den Boden.“ Für Venise ist dies das Herzstück der Landwirtschaft. „Das ist der Teil der Landwirtschaft, den ich am meisten liebe – so richtig kreativ zu werden.“ Auch beim „Herb Garden Sour“-Cocktail spielt die Herde eine Rolle – für die schaumige und sprudelnde Konsistenz wird das Eiweiß von den Eiern der Hennen verwendet.

Warum probierst du den Cocktail „The Simple Goodness Fizz“ nicht einmal aus?

Zutaten für 1 Cocktail:

60 ml Gin, Whiskey, Bourbon, Tequila, Pisco, Sherry

20 ml Zitronensaft oder eine Mischung aus Zitronen- und Limettensaft, frisch gepresst

20 ml Zuckersirup

15 ml (oder etwa 1 großes) Eiweiß oder Aquafaba (Kichererbsenwasser) als vegane/allergenfreie Alternative

1 Schaufel mit 3 großen Eiswürfeln

Garnierung nach Wahl

Zubereitung: Alle Zutaten außer den Eiswürfeln in einen Cocktail-Shaker geben. Den Shaker fest verschließen und alle Zutaten 1 Minute lang schütteln (da kommt man ins Schwitzen!). Eine große Schaufel Eiswürfel vorsichtig – damit der Schaum nicht zusammenfällt – in den Shaker geben und ihn weitere 30 Sekunden lang kräftig schütteln. Den Drink in ein Cocktailglas oder ein Weinglas mit Stiel abseihen. Ein Teil des Schaums wird mitfließen und sich oben absetzen. Um den zusätzlichen Schaum zu erfassen, der an den Seiten des Shakers haften geblieben ist, den Shaker mit nur 30 ml Sodawasser „ausspülen“, schwenken, um den Schaum aufzufangen, und diesen dann auf die Oberfläche des Drinks abseihen. Wenn alles richtig gemacht wurde, bildet sich oben im Glas eine durchgehende, etwas über 1 cm dicke Schicht aus seidigem Schaum und darunter die helle, transparente Flüssigkeit des Cocktails. Das vollständige Rezept und weitere Informationen findest du auf der Website Simple Goodness Sisters.

Vom Hühnerstall bis zum Cocktailschaum, und von Beeren über Hühnerfutter bis hin zu Kompost und Erde – das System bildet einen geschlossenen Kreislauf. 

Auf dem Hof werden die Aromen angebaut. An der Bar werden die Drinks gemixt. Die Hühner halten alles in Bewegung. Und wie Venise schon sagt,„nichts
Mehr über den Hof, die Cocktails und das Buch „Drink Your Garden“, das die Schwestern geschrieben haben, erfährst du auf der Website Simple Goodness Sisters.

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