„Wer keine Fehler macht, erreicht auch nichts.“

Wenn du in letzter Zeit auf YouTube oder Instagram unterwegs warst, bist du vielleicht auch schon einmal auf Jude Harper gestoßen – online besser bekannt als „Rewilding Jude“ –, der im Regen Hochbeete baut, alten Plunder in nützliche Dinge verwandelt oder mit seinen Hühnern plaudert, während er knöcheltief im Kompost steht.
Was nach einer großen Veränderung in seinem Leben als persönliches Projekt begann, hat sich still und leise zu einer Online-Community entwickelt, deren Mitglieder sich nach einem entschleunigten Leben, nach schmutzigen Stiefeln und frischer Luft sehnen und der Erinnerung daran, dass das Leben nicht immer auf Hochtouren laufen muss.
Nachdem Jude 2022 seine Eltern verloren hatte, kehrte er einem Leben, das sich nicht mehr richtig anfühlte, den Rücken zu. Er packte seine Sachen und zog in ein renovierungsbedürftiges Haus im ländlichen Schottland. Er hatte weder Erfahrung mit dem Leben auf dem Land noch hatte er einen großen Masterplan. Er hatte lediglich dieses Gefühl im Bauch, dass sich etwas ändern musste. Irgendwo zwischen dem Bau eines schrägen Hühnerstalls, dem Anbau von Gemüse in wiederverwendeten Behältern und der Rettung ehemaliger Legehennen fing alles langsam an, Sinn zu machen. „Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass nichts mehr Sinn machte. Und das hat mir dabei wirklich geholfen.“
Jude hatte nicht unbedingt geplant, Hühnerhalter zu werden.
Seinen riesigen DIY-Hühnerstall hatte er ursprünglich gebaut, um sich grundlegende handwerkliche Fähigkeiten anzueignen. „Ich dachte mir, dass es wahrscheinlich besser ist, mit einem Hühnerstall anzufangen als mit einer Wand im Haus, denn wenn der schief wird, ist das nicht ganz so schlimm”, sagt er lachend. Drei Monate später – nach einem Kampf mit dem schottischen Wetter und unebenem Boden und einer steilen Lernkurve – war der Stall endlich fertig. „Und da dachte ich mir, dass ich jetzt vielleicht auch ein paar Hühner hineinsetzen sollte.“

Und so zogen Bossy, Scraggy, Prison Chicken und Hennifer Saunders ein – vier gerettete Hühner vom British Hen Welfare Trust, die schnell zu den Stars sowohl in Judes Garten als auch auf seinen Social-Media-Kanälen wurden.
„Ich hatte keine Ahnung, was für tolle Haustiere Hühner sind“, sagt er. „Sie sind richtige kleine Persönlichkeiten und viel nützlicher als meine Katze. Die Katze schenkt mir nur Nager.“
Hühnertherapie gibt es wirklich
Für Jude wurde die Hühnerhaltung zu etwas, das weit über frische Eier hinausging. Wie viele Menschen, die ein Renovierungsprojekt in Angriff nehmen, wurde das Ganze recht stressig, doch die Hühner haben etwas verändert. „Wenn mir alles etwas zu viel wird, gehe ich einfach zu den Hühnern, füttere sie und schaue ihnen beim Scharren zu. Sie haben nicht wirklich viel, worüber sie sich Sorgen machen müssen, und das relativiert die Dinge.“
Hühner haben etwas an sich, das einen dazu zwingt, einen Gang runterzuschalten. Wenn man ihnen dabei zusieht, wie sie im Laub scharren, wie sie einem durch den Garten folgen oder absolut alles unter die Lupe nehmen, was man gerade tut, hat das eine erdende Wirkung, die nur schwer zu erklären ist, bis man sie selbst erlebt hat.
„Sie sind einfach an allem interessiert“, sagt Jude. „Wenn ich draußen etwas mache, wollen sie dabei sein.“
Und während das Internet die Flucht ins Grüne oft romantisiert, schildert Jude die Realität erfrischend ehrlich. Es ist weder perfekt noch vollkommen – manchmal versiegt der Brunnen, manchmal findet sich Schimmel im Hühnerstall und manchmal entkommen die Hühner in den Garten des Nachbarn.

Heilung durch Wachstum
Lange bevor die Hühner kamen, half ihm die Gartenarbeit bereits dabei, seine Trauer zu verarbeiten. Er fing klein an – nachdem seine Eltern verstorben waren, baute er auf einer winzigen Terrasse Gemüse in Kübeln an.„Es klingt wie ein Klischee, aber wenn man die Hände in die Erde steckt, fühlt man sich wirklich besser.“ Das Wachsen der Pflanzen zu beobachten, wurde zu einer stillen Form der Therapie. Es war ein Grund, ins Freie zu gehen, und eine Erinnerung daran, dass sich die Dinge langsam ändern.
„Die Freude, die ich empfand, wenn ich aufwachte und sah, was sich über Nacht im Garten verändert hatte … das hat mir wirklich geholfen.“
Diese Verbundenheit mit der Natur führte schließlich dazu, dass er mit dem Kompostieren begann, Lebensmittel anbaute, Dinge mit den eigenen Händen baute und den gesamten Prozess online dokumentierte. In vielerlei Hinsicht wurde dies für Jude auch zu einer Möglichkeit, mit seinen Eltern in Verbindung zu bleiben. „Ich glaube, ich habe alle ihre Hobbys übernommen“, erzählt er. “„Wenn meine Mutter sehen könnte, wie ähnlich ich meinem Vater geworden bin, würde sie wahrscheinlich nur mit den Augen rollen.“
„Wer keine Fehler macht, erreicht auch nichts.“
Das Erfrischende an Judes Einstellung ist, dass er nicht vorgibt, schon alles im Griff zu haben – und genau deshalb finden seine Beiträge so großen Anklang.
„Im Internet herrscht oft die Meinung, dass es sinnlos ist, sich um Nachhaltigkeit zu bemühen, wenn man es nicht einwandfrei hinbekommt“, sagt er. „Aber Kleinvieh macht auch Mist.“
Für Jude bedeutet es, Küchenreste zu kompostieren, alte Materialien wiederzuverwenden, etwas Gemüse anzubauen oder einfach seltener zum Supermarkt zu gehen. Es geht nicht darum, alles zu tun – es geht darum, etwas zu tun.

„Ich glaube, meine Stärke ist, dass ich keine Angst davor habe, in etwas schlecht zu sein.“Dieser Satz bringt sowohl seinen Online-Erfolg als auch den Grund, warum sich so viele Menschen mit seinen Videos identifizieren können, perfekt auf den Punkt. Zu sehen, wie jemand sich auf ehrliche Weise durchwurschtelt, Fehler macht und trotzdem weitermacht, wirkt beruhigend in einer Welt, die von Perfektion besessen ist.
Fange klein an, fange chaotisch an

Welchen Rat würde Jude Menschen geben, die von einem entschleunigten Leben, Hühnern und Gemüsegärten träumen oder einfach davon, sich stärker mit der Welt um sie herum verbunden zu fühlen?
„Versucht nicht, alles auf einmal zu machen.“
Jude lebte bereits über ein Jahr in Schottland, als er sich Hühner anschaffte. Davor hatte er sich mit Kompostieren und Gärtnern beschäftigt und sich Schritt für Schritt die grundlegenden Fertigkeiten angeeignet. Vor allem aber hatte er akzeptiert, dass man sich am Anfang wahrscheinlich noch ziemlich unbeholfen anstellt.
„Niemand ist beim ersten Mal perfekt. Man muss einfach die Anfangsschwierigkeiten überwinden.“
Judes Ratschlag ist erfrischend einfach:
- Fange klein an
- Pflanze etwas an
- Baue etwas
- Probiere etwas aus.
Denn irgendwo zwischen den Komposthaufen, den schrägen Heimwerkerprojekten und vier geretteten Hühnern hat sich Jude ein ganz neues Leben aufgebaut – eines, das Tausende von Menschen dazu inspiriert hat, einen Gang runterzuschalten, ins Freie zu gehen und zu erkennen, dass man für den Anfang nicht gleich alles können muss.
Du kannst Judes Renovierungs- und Gartenprojekte sowohl auf seinem YouTube- als auch auf seinem Instagram-Kanal folgen.
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